TCH holt Schwung für die Bundesliga

Erst seit Juni steht der Aufstieg fest. Der TCH misst sich künftig mit den besten deutschen Formationen.

von Oliver Bloch

Oldenburg – So ein Aufstieg kann alles durchein­ander wirbeln. Erst recht, wenn er so überraschend kommt wie beim Tanzclub Harmonia (TCH) Oldenburg. Zwei Monate plante die Standard-Formation in aller Ruhe für ein weiteres Jahr in Liga zwei. Doch Anfang Juni gab das B-Team des 1. TC Ludwigsburg seinen Rückzug aus der Bundesliga bekannt, so dass die Oldenburger als Dritter der Zweiten Liga in die Eliteklasse der besten acht Formationen aufrücken.

„Unsere bisherigen Pläne mussten wir schnell auf Eis legen, um uns gezielt auf die schwierige Aufgabe vorzubereiten“, erzählt Trainer Holger Jäckel. „Wir haben daher sofort die Sommerpause verkürzt.“ Zwar startet die Bundesligasaison erst im Januar 2011, aber bereits am 13. November finden in Bamberg die deutschen Meisterschaften statt. Bis dahin muss die neue Choreographie sitzen. Für die laut Jäckel beste Liga der Welt will sich seine Formation zudem besonders herausputzen. Schließlich tanzt in dem 1. TC Ludwigsburg kein Geringerer als der Weltmeister in der Bundesliga. Rund 1000 Euro kosten neue Kleider und Fräcke pro Paar, alles ist maßgeschneidert. Hohe Kosten verursachen auch die meist weiten Anreisen zu den fünf Turnieren.

Das kurze, finanziell bedingte Unbehagen nach dem unverhofften Aufstieg ist jedoch der Vorfreude auf die neue Herausforderung gewichen. „Nach dem ersten Schock freuen wir uns jetzt umso mehr auf die Bundesliga und gehen mit großer Motivation zur Sache“, sagt Tänzerin Sonja Pawlas. Für die drei Trainingseinheiten pro Woche nehmen sogar Paare aus Hamburg und Lüneburg den weiten Weg in Kauf. Denn Oldenburg hat sich inzwischen zu einer Standard-Hochburg gemausert.

Trotz aller Euphorie rechnet Jäckel aber mit einer schwierigen Saison. „Unser Ziel kann nur Platz sechs und damit Nicht-Abstieg heißen, wobei die Bedingungen für uns nicht optimal sind“, berichtet er. Dem pflichtet Sonja Pawlas bei: „Wir können nur auf PVC-Böden in den Turnhallen trainieren, nie auf Parkett.“ Auch vor verschlossenen Hallen standen die Paare schon. Gegenüber der Konkurrenz sei das ein deutlicher Wettbewerbsnachteil, moniert auch Jäckel. Dennoch sind die Oldenburger weit davon entfernt, sich zu beklagen. Intensiv arbeiten die Paare an Schrittfolgen, Synchronität und Balance, aber auch an Fitness und Kondition für die jeweils sechsminütigen Auftritte, um die Klasse zu halten. Zudem plant der Verein zwei Trainingslager.

Einziger Nachteil für die Oldenburger Zuschauer: Einen Bundesliga-Wettkampf wird es in der Stadt anders als zu Zweitliga-Zeiten aus finanziellen Gründen nicht geben. So ein Aufstieg wirbelt eben einiges durcheinander.

Harmonia Oldenburg (TCH) besteht seit 1983 und hat mehr als 150 Mitglieder. Er gehört in beiden Turniersparten zu den erfolgreichsten Vereinen in Norddeutschland. Als erstem Verein aus Weser-Ems gelang ihm der Aufstieg in die Bundesliga.

hat sich nachträglich für die Bundesliga qualifiziert, da der TC Ludwigsburg seinen Rückzug aus der Liga vermeldet hat. Die Latein-A-Formation tanzt in der Regionalliga.

Quelle: NWZ-Online